zur arbeit
DR. ULRICH PUCHNER ZUR ARBEIT VON SIME VLAHOV
(Auszug aus einer Rede zu einer Ausstellungseröffnung)
Als Autodidakt beginnend hat er in Privatstudien in Kroatien und auch hier bei Eberhard Lorenz sein Können vertieft und verfeinert. In zahlreichen Ausstellungen in Kroatien, im Großraum München, in Berlin, in Baden-Württemberg und Frankreich öffnete sich Vlahov als Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler den Kunstfreunden mit seinen Werken. Er will nicht nur seine Bilder zeigen und anbieten, sondern auch die Kommunikation in der Kunst suchen. Dabei will der Künstler sozusagen als Katalysator zwischen realen Gegebenheiten der Natur und dem menschlichen Empfinden vermitteln.
Die Verbindung von Natur in all ihren Ausprägungen und deren Umsetzung mit bildnerischen Mitteln ist so lebensprägend, dass er sich nicht nur in sein in Wurfweite seiner Familie aufgebautes Atelier zurückzieht und die Symbiose von Wahrnehmen und Umsetzen verfeinert, sondern dass er sich mit dieser Botschaft auch malwilligen Laien zuwendet. Dies realisiert Vlahov, indem er Seminare und Malkurse in privaten Zirkeln wie in Einrichtungen der Erwachsenenbildung und auch Malreisen in größeren Gruppen durchführt.
Wer schon mehrfach an solchen Malreisen nach Kroatien teilnehmen durfte, hatte die Gelegenheit, die Person des Sime Vlahov in seiner beeindruckenden Bandbreite kennen zu lernen.
Da trifft man auf einen Manager mit stoischer Gelassenheit und erfrischender Bestimmtheit, auf einen stets positiv formulierenden Magister, für den jeder auch noch so unbedeutende Gegenstand der Umwelt darstellend umsetzbar ist, auf einen kroatisch eingefärbten schwärmenden Erzähler, wenn es gilt ein Bild zu besprechen, das mehr aussagt als es darstellt, auf einen tief zufriedenen, beglückten Künstler, wenn gelungen ist, den Malschülern den Weg von der äußeren Form zur inneren Bedeutung aufzuzeigen.
Lassen Sie mich Vlahov’s Kunstwelt physikalisch beschreiben:
Die Rezeption optisch abbildbarer Gegenstände und komplizierter geometrischer Formen wird durch Transformation in seiner künstlerischen „Seele“ aus der Welt des Konkreten in den Bereich des Nicht-Konkreten, in den Bereich der Emotionen transloziert, d.h. schlicht, visueller Eindruck wird zu Kunst oder Optik wird auf eine Ebene der Gefühle angehoben: Dort können sich alle wieder finden, ob Künstler, Bildbetrachter, Laienmaler oder Physiker.
Wie schafft nun der Künstler Vlahov diese Transformation? Die Antwort sehen Sie in dieser eindrucksvollen Ausstellung. Die Ausstellung gibt die Antwort auf die gestellte rhetorische Frage selbst. Lassen Sie mich meine akademische Distanziertheit zurück lassen, indem ich ein Aquarell beschreibe, das ich vor einigen Jahren von Sime Vlahov erworben habe, das seit Jahren in meinem Esszimmer hängt und das ich somit allein während des Essens, also beim Frühstück und Abendessen, schon ein paar tausend Mal studiert habe. Ja ich habe sogar versucht, das Bild nachzumalen – es ist nie gelungen. Es zeigt einen baumbestandenen Küstenstreifen seiner Heimat aus der Landsicht. Die bizarren Bäume greifen aus dem Passepartoutrand heraus und ergreifen die Bildmitte als Symbol aktiven Lebens. Vielfach farbig strukturiert gleicht kein Baum in seiner Morphologie und Topographie dem anderen, eine Ansammlung der Vielfalt und des Ideenreichtums, wie der Mensch selbst sich so darstellt. Die Bäume stehen vor dem hellen, farblich modulierten Boden, dessen warme, leuchtende Farben einladen, sich dort niederzulassen. Die Urkraft der Sonne hat den Boden getrocknet, nicht verdörrt, sondern zu neuem Farbenspiel mutiert. Zwischen den Bäumen weitet sich der Blick auf ein warmes breites Blaufeld, das kompositorische Spannung vermittelt. Es bleibt offen, ob es sich um einen Ausschnitt des Himmels oder des Meeres handelt; diese Freiheit der Imagination respektiert die Gefühle des Betrachters. †ber dieser Spannung aus vielfarbigen, unregelmäßig geformten und sich kreuzenden Baumstämmen und aus dem mit warmen Erlebnisfarben angereichertem Boden und dem beruhigenden Blau der Ferne wird im oberen Bildbereich das Laub der Bäume in Grün aufgespannt, das alle Gradationen umfasst, aber dunkellastig wie ein schützender Schirm sich über der Farbigkeit aufspannt. Das einfache Naturmodell ist somit Botschaft geworden.
Dieser subtile Weg der Abstraktion beeindruckt mich nunmehr seit Jahren. Lassen Sie sich von diesem hier gedanklich vorgestellten Bild vereinnahmen und erleben Sie dieses Empfinden nach, wenn Sie die Bilder dieser Ausstellung auf sich wirken lassen. Sie werden der Person Vlahov sehr nahe kommen, wenn Sie in seinen Bildern, unabhängig von der Vielfalt der Techniken, erkennen, dass eine vorgegebene Form vielleicht nur ein Anlass ist, Wesentlicheres darzustellen, wenn Sie Farbe als das zentrale Ausdrucksmittel erleben, wenn Sie Abstraktion als zeitgeraffte Darstellung eines nicht simultan darstellbaren, lebendigen Prozesses begreifen und wenn Sie sich öffnen, der Naturverbundenheit, der Lebenslust und der spielerischen Phantasie.
Ein weiser tibetischer Spruch lautet:
„Wer begriffen hat, und nicht handelt, hat nicht begriffen“
Nehmen Sie also einen echten Vlahov mit!