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Pressestimmen & Veröffentlichungen
Rudolf Härtl
»In der Malerei ist das Studium der Natur von den Anfängen der Nachahmung an die Voraussetzung für jede Erweiterung. Der Weg, um ein Objekt zu erfassen, erfolgt für den Maler von außen nach innen, von der optischen Erscheinung zum inneren Wesen. Die Empfindung, dann der gestaltende Wille drängt über die optische Erscheinung, über den Mantel des Gegenwärtigen und Flüchtigen zu einer bleibenden und wesenhaften Form.«
Mit diesen Worten umschrieb im Jahre 1946 der Maler Gerhard Fietz die Bedeutung der Natur für seine abstrakte Kunst. Den Weg von der Naturnachahmung zur Erkenntnis ihres inneren Wesens, ihrer »Seele« gleichsam [um van Gogh zu zitieren], vom äußeren Abbild zum »In-der-Natur-sein« beschritt auch der Maler Sime Vlahov. Die Anfänge des im Jahre 1951 in Sibenik [Kroatien] geborenen Autodidakten [der seit 1973 in der Bundesrepublik lebt], sind zwar nicht realistisch oder naturalistisch, aber sie gehen unmittelbar vom Naturmotiv aus, das der Maler jedoch einer starken Vereinfachung unterzieht. Vorallem aber betont Vlahov in diesen frühen Arbeiten sehr stark das koloristische Element.
Es sind – wenn man so will – fauvistische Bilder, in denen die Farben bereits ihr Eigenleben entfalten. Er bildet nicht mehr Pflanzen, Bäume und Blumen ab, sondern er stellt das Werden pflanzlichen Lebens selbst dar. Nicht ihr äußeres Abbild interessiert den Maler, sondern die inneren Triebkräfte, die zu ihrer Entfaltung führen, das Entstehen und Vergehen pflanzlichen Lebens.
Das Abbild der äußeren Erscheinung eines Baumes ist etwas Statisches, das Erfühlen und Nachempfinden seines Wachstums bedeutet dagegen Dynamik, also Bewegung und etwas Prozeßhaftes. Diese völlig andere Einstellung der Natur gegenüber kann im Bilde nicht mit den darstellerischen Mitteln des Realismus bewältigt werden: Eine dynamische Auffassung von Natur verlangt vielmehr nach Abstraktion, der Verdichtung des Naturvorbildes durch die bildnerischen Mittel, von Farbe, Linie und Helldunkel, die alleine diese von Bewegungsvorgängen bestimmte Auffassung von Natur im Bild zu leisten imstande sind.
Das wichtigste Ausdrucksmittel der Kunst Vlahovs ist jedoch die Farbe. Vlahov ist Kolorist. Der erste Eindruck, den der Beschauer vor seinenBildern erhält, ist der einer dunkelgetönten Farbigkeit von großer Intensität. Dieses Kolorit bleibt eingebettet in starke Helldunkelkontraste, die von tiefem Schwarz bis zu strahlendem Weiß reichen.
Aber auch die bunten Farben sind häufig dunkelgetrübt: Ein undurchdringliches Schwarzviolett oder ein verdunkeltes Blau bilden gleichsam den Generalbaß seiner Malerei, vor dessen Fond sind die übrigen Farben entfalten. So umfaßt der Kolorismus Vlahovs den gesamten Farbkreis: Neben dem vorallem beim Aufbau der Komposition eine wichtige Rolle spielenden Hell-Dunkel-Kontrast ist es der Kalt-Warm-Kontrast, der seinen Bildern ihre mitreißende koloristische Dynamik verleiht. Die warmen Farben, unter denen ein brandiges Rot und ein helles, strahlendes Gelborange dominieren, treten optisch in den Vordergrund, während die dunklen, kalten Blaus und Violetts nach hinten zu- rückweichen: Schwarz und Weiß verhindern ein Auseinanderbrechen der Bildfläche durch dieses Optische »push-and-pull« der Buntfarben durch ihre weiten Distanzwerte.
Vorallem aber üben die kalten und warmen Farben durch die Intensität ihrer Kontraste eine starke emotionale Wirkung auf den Betrachter aus: Er wird hineingezogen in das Wechselspiel von Erregung und Dämpfung der Gefühle, wird von deren Aktivierung wieder zu passiver, meditativer Betrachtung zurückgeführt. Neben dem Ausgleich der koloristischen Gegensatzpaare strebt Vlahov durch sie also auch einen emotionalen Ausgleich im Betrachter an. Wir haben erfahren, daß sich Vlahovs Malerei vom Abbild der Natur weg zur Darstellung der in ihr wirksamen dynamischen Kräfte von Werden und Vergehen entwickelte.
Vlahov strebt also mit seiner Malerei ein ganzheitliches Erleben der Natur an, in das auch der Mensch einbezogen wird. Er will schließlich Natur und Mensch in Einklang bringen, die Innenwelt des Menschen, seine Psyche und seinen Geist, mit der äußeren, auf ihn einwirkenden Natur versöhnen. Diese Sehnsucht nach dem »unteilbaren Sein«, die in Vlahovs Malerei mitklingt, ist letztlich Erbgut der Romantik. Er steht mit seiner Malerei in einer künstlerischen und geistigen Tradition, die von den »Erdlebenbildern« Caspar David Friedrichs über die ganzheitliche Naturauffassung, wie sie Franz Marc in seinem Skizzenbuch aus dem Feld entwickelte, bis zu Fritz Winters Triebkräften der Erde führt.
Rudolf Härtl
Münchner Merkur
[…] Der Maler Vlahov Sime, gebürtig 1951 in Kroatien und seit 1973 in München und Unterschleißheim tätig, wo er sein Atelier hat, zeigte einen Teil seiner in jüngster Zeit entstandenen Bilder in den Räumen des ›Big Point‹ in der Tennishalle.
Seit 1988 gibt Vlahov Sime Kurse in Malen und Zeichnen an der Volkshochschule in Unterschleißheim und in Moosburg. Er gehört dem Berufsverband bildender Künstler an. Von 1968 bis 1972 fanden Ausstellungen in seiner Geburtsstadt Sibenik statt.
In Deutschland war er seit 1983 bis dato auf 15 Gruppen- und Einzelausstellungen vertreten, unter anderem 1985 in Dachau.
Der Künstler, der zur Ausstellung anwesend war, sagte, daß er in seinen Bildern versuche, die Natur und Umwelt zu fühlen und zu verstehen. Es sind meist Darstellungen von Landschaften, Bäumen, Pflanzen, aber auch Improvisationen. »Ich versuche«, so der Künstler, »aus Naturverbundenheit, Lebenslust und spielerischer Phantasie durch kreative Arbeit Neues zu gestalten.«
In den Bildern der letzten Zeit habe er Formen ganz außer acht gelassen, die Elemente der Natur im Bild in Farbe verdichtet. Es finden sich Akzente von Kolorit, Linie und Raum. In Haimhausen zeigte der Maler auch Bilder seiner Heimat.
uhö, Münchner Merkur, 02.08.1996
ppb
Als unbelastet von Themen, und wenn, nur zurückhaltend, um sich selbst und die Betrachter nicht auf bestimmte Gedanken festzunageln, will der in München lebende Künstler Sime Vlahov seine Werke verstanden wissen. Der gebürtige Jugoslawe stellt seine Aquarelle und Ölbilder noch bis zum 15. Juli in der städtischen Galerie ›Steinscheuer‹ aus.
Der stellvertretende Bürgermeister Klaus Epple eröffnete die Kunstausstellung mit den Werken von Sime Vlahov in der städtischen Galerie […] Er dankte dabei nicht nur dem Künstler für seine Bereitschaft, in Pfullendorf auszustellen, sondern auch der rührigen Kulturamtsleiterin Hermine Reiter für ihr Engagement. Klaus Epple ging in einer kurzen Ansprache auf das Leben und Wirken des Künstlers ein […] Sime Vlahov wurde in Sibenik/Jugoslawien geboren, hatte schon in frühester Jugend Kontakte zu einheimischen Künstlern und konnte in seinem Heimatort erstmals an einer Gruppenausstellung teilnehmen. Inzwischen stellt er international und national seine Werke aus.
Epple wies darauf hin, daß sich die Werke von Sime Vlahov in den letzten Jahren gewandelt haben. Und dies nicht nur durch die Techniken, sondern vor allem auch durch die Betrachtungsweise des Künstlers. Sime Vlahov war jahrelang Impressionist und hatte die Wirklichkeit der Natur in den fröhlichsten Farben aus seinem damals noch unbeschwerten Blick auf die Realität beschrieben. Doch mit seiner fortschreitenden Entwicklung und größeren Erfahrungen hat sich dies verlagert. All die Schönheiten und Häßlichkeiten haben für ihn eine gewisse Gesetzmäßigkeit. Und Sime Vlahov malt nun eine Flußlandschaft oder einen lebendigen Körper mit der gleichen Farbpalette, der gleichen Sinneswahrnehmung und der gleichen seelischen Kraft. Da sich Sime Vlahov aber nicht verpflichtet fühlt, naturgetreu abzumalen, versucht er, so Klaus Epple weiter, Kraft, Bewegung, Eindruck und Harmonie frei zu zeigen, ohne sich und die Betrachter dabei allerdings in den Gedanken festzunageln […]
ppb, 1993
Hypo-Bank
[…] Zehn Jahre Leben in einer anderen Welt und Landschaft haben die Denkweise des Malers stark geprägt, gefühlsmäßig ist er je- doch ein Mensch des Südens geblieben. Seine Techniken: Öl, Aquarell, Radierung. Ebenso unterschiedlich ist die Palette seiner Themen: Landschaft, Mensch oder Stilleben.
Ausstellung Hypo-Bank, 1985
Bürgerzentrum Oberschleissheim
[…] Der Name des Malers wurde schon einige Male im Zusammenhang mit Gemeinschaftsausstellungen erwähnt, z. B. der letzten Ausstellung im Atelier des Malers und Grafikers Eberhard Lorenz. In dreijähriger Zusammenarbeit hat sich Vlahov mit Begeisterung die Arbeitstechniken seines Lehrers eingeprägt. Neben Aquarellen zeigen grafische Arbeiten des Malers sichtbare Anstöße aus dem Atelier Lorenz […] Lichter und Farben der Bilder bergen Sehnsucht nach der brennenden Sonne, nach der Weite des Meeres und nach dem Gestein Dalmatiens.
Ausstellung Galerie Bürgerzentrum Oberschleißheim, 1983
Münchner Merkur
Sehenswerte Aquarelle und Radierungen von Sime Vlahov sind derzeit in der Galerie ›Zur alten Schmiede‹ ausgestellt. Sime Vlahov, der nun schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt, begann im Alter von ungefähr 16 Jahren zu malen. Seine jetzigen technischen und künstlerischen Fertigkeiten eignete Vlahov sich dann teils selbst, teils in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern an. Sime Vlahovs Bilder sind meist in zarten, fließenden Pastellfarben gehalten […]
Münchner Merkur, 1989
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